Wann brauche ich ein Hörgerät?
Wann brauche ich ein Hörgerät?
Viele Menschen verbinden Hörgeräte noch immer mit einem sehr starken Hörverlust oder einem hohen Alter. In der Praxis erleben wir jedoch häufig, dass Betroffene bereits viele Jahre mit einer Hörminderung leben, bevor sie sich erstmals mit dem Thema Hörgerät beschäftigen.
Dabei geht es nicht nur darum, ob man Töne noch hören kann. Oft ist das eigentliche Problem, dass Gespräche zunehmend anstrengend werden, bestimmte Stimmen schlechter verstanden werden oder man sich in größeren Gruppen immer häufiger aus Unterhaltungen zurückzieht.
Die Frage lautet deshalb nicht:
„Bin ich schon schwerhörig genug für ein Hörgerät?“
Sondern vielmehr:
„Beeinträchtigt mein Gehör bereits meinen Alltag?“
In diesem Ratgeber erfahren Sie, woran Sie eine Hörminderung erkennen können, wann ein Hörgerät sinnvoll sein kann und warum viele Menschen deutlich zu lange warten.
Warum lässt das Gehör nach?
Unser Gehör verändert sich im Laufe des Lebens.
Besonders die feinen Haarzellen im Innenohr sind empfindlich. Sie können sich durch Alterungsprozesse, Lärmbelastung oder bestimmte Erkrankungen dauerhaft verändern.
Das geschieht meist schleichend.
Anders als bei einer Brille bemerken viele Menschen die Veränderung zunächst kaum.
Das Gehirn beginnt automatisch, fehlende Informationen zu ergänzen und gleicht vieles durch Erfahrung, Lippenbewegungen oder den Gesprächskontext aus.
Genau deshalb bleibt eine Hörminderung oft über Jahre unbemerkt.
Die ersten Anzeichen werden häufig falsch interpretiert
In unserer täglichen Beratung hören wir immer wieder ähnliche Aussagen:
„Eigentlich höre ich noch gut. Die anderen nuscheln nur.“
oder
„In ruhiger Umgebung verstehe ich alles problemlos.“
Das ist nicht ungewöhnlich.
Viele Menschen mit einer beginnenden Hörminderung hören grundsätzlich noch recht gut. Schwierigkeiten entstehen häufig erst in anspruchsvolleren Hörsituationen.
Beispiele aus dem Alltag:
Im Restaurant
Sie hören zwar, dass gesprochen wird, können einzelne Wörter aber nicht mehr klar verstehen.
Beim Fernsehen
Die Lautstärke wird schrittweise erhöht, obwohl Familienmitglieder die bisherige Lautstärke als völlig ausreichend empfinden.
In Familienrunden
Sie müssen häufiger nachfragen oder verlassen sich unbewusst auf den Gesprächskontext.
Am Telefon
Bestimmte Stimmen wirken undeutlich oder Gespräche werden anstrengender.
Wann wird ein Hörgerät sinnvoll?
Ein Hörgerät wird nicht erst dann sinnvoll, wenn Sie kaum noch etwas hören.
Viel wichtiger ist die Frage:
Wie stark beeinträchtigt die Hörminderung Ihren Alltag?
Ein Hörgerät kann bereits dann sinnvoll sein, wenn:
-
Sie regelmäßig nachfragen müssen
-
Gespräche anstrengend werden
-
Sie Menschen häufiger missverstehen
-
Sie sich in Gruppen unwohl fühlen
-
der Fernseher immer lauter gestellt wird
-
Angehörige Sie auf Ihr Gehör ansprechen
In vielen Fällen profitieren Betroffene bereits bei einer leichten bis mittleren Hörminderung deutlich von einer Versorgung.
Aus unserer Erfahrung bei Optik Jahn
Eine Situation erleben wir besonders häufig:
Der Partner oder die Familie bemerkt die Hörminderung deutlich früher als die betroffene Person selbst.
Viele Kunden kommen zunächst auf Wunsch ihrer Ehepartner oder Kinder zu uns.
Nicht selten hören wir Sätze wie:
„Meine Frau meint, ich höre schlechter.“
oder
„Meine Kinder beschweren sich ständig über die Fernsehlautstärke.“
Nach dem Hörtest zeigt sich dann häufig, dass tatsächlich bestimmte Frequenzbereiche schlechter wahrgenommen werden.
Besonders hohe Töne gehen oft zuerst verloren.
Dadurch werden Frauen- und Kinderstimmen häufig schlechter verstanden als tiefe Männerstimmen.
Ein weiteres typisches Muster:
Viele Menschen gewöhnen sich über Jahre an ihre Hörminderung und bemerken erst nach einer Hörgeräteversorgung, wie viele Alltagsgeräusche sie bereits nicht mehr wahrgenommen haben.
Dazu gehören beispielsweise:
-
Vogelstimmen
-
Blinkergeräusche im Auto
-
leise Gesprächsanteile
-
Schritte
-
das Rascheln von Papier
Warum warten viele Menschen zu lange?
Die Antwort ist meist nicht mangelnde Einsicht, sondern Unsicherheit.
Viele Menschen denken:
-
„So schlimm ist es noch nicht.“
-
„Für ein Hörgerät bin ich noch zu jung.“
-
„Das geht bestimmt wieder weg.“
-
„Ein Hörgerät sieht man sofort.“
Diese Vorstellungen entsprechen jedoch häufig nicht der Realität.
Moderne Hörsysteme sind deutlich kleiner, komfortabler und leistungsfähiger als viele Menschen vermuten.
Vor allem aber gilt:
Je früher eine Hörminderung erkannt und versorgt wird, desto leichter fällt häufig die Eingewöhnung.
Was passiert, wenn man zu lange wartet?
Das Hören findet nicht nur im Ohr statt.
Ein großer Teil der Verarbeitung erfolgt im Gehirn.
Wer bestimmte Klänge über viele Jahre nicht mehr ausreichend wahrnimmt, trainiert das Gehirn gewissermaßen darauf, diese Informationen nicht mehr zu verarbeiten.
Deshalb erleben Hörakustiker häufig, dass sich Menschen mit einer frühzeitigen Versorgung leichter an Hörgeräte gewöhnen als Personen, die viele Jahre gewartet haben.
Typische Fehler, die wir häufig sehen
Hörprobleme auf das Alter schieben
Natürlich verändert sich das Gehör mit zunehmendem Alter.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man Einschränkungen einfach hinnehmen muss.
Den Fernseher lauter stellen statt handeln
Viele Menschen kompensieren ihre Hörminderung zunächst durch höhere Lautstärken.
Das löst die Ursache jedoch nicht.
Nur auf die Lautstärke achten
Häufig ist nicht die Lautstärke das eigentliche Problem, sondern das Sprachverstehen.
Man hört die Stimme, versteht aber einzelne Wörter nicht mehr klar.
Hörtests jahrelang vermeiden
Je früher Veränderungen erkannt werden, desto mehr Möglichkeiten gibt es.
Wie läuft ein Hörtest ab?
Ein professioneller Hörtest ist unkompliziert und schmerzfrei.
Dabei wird untersucht:
-
welche Töne Sie hören können
-
welche Frequenzbereiche betroffen sind
-
wie gut Sie Sprache verstehen
-
wie ausgeprägt eine mögliche Hörminderung ist
Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine individuelle Beratung.
Entscheidungshilfe: Sollte ich mein Gehör überprüfen lassen?
Die folgende Übersicht kann helfen:
| Aussage | Hörtest sinnvoll? |
|---|---|
| Ich frage häufig nach | Ja |
| Der Fernseher wird immer lauter | Ja |
| Gespräche in Restaurants sind anstrengend | Ja |
| Angehörige sprechen mich auf mein Gehör an | Ja |
| Telefonate fallen schwerer | Ja |
| Ich habe keinerlei Beschwerden | Regelmäßige Kontrolle ausreichend |
Bereits ein einziges dieser Anzeichen kann ein guter Grund für einen Hörtest sein.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter braucht man ein Hörgerät?
Es gibt kein festes Alter. Hörgeräte können sowohl mit 40 als auch mit 80 Jahren sinnvoll sein.
Muss ich sofort ein Hörgerät tragen, wenn eine Hörminderung festgestellt wird?
Nicht zwangsläufig. Die Entscheidung hängt von der Stärke der Hörminderung und den Auswirkungen auf Ihren Alltag ab.
Werden Hörgeräte von der Krankenkasse unterstützt?
Unter bestimmten Voraussetzungen beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten.
Sind moderne Hörgeräte sichtbar?
Viele moderne Hörsysteme sind sehr klein und fallen Außenstehenden oft kaum auf.
Kann sich mein Gehör durch ein Hörgerät verschlechtern?
Nein. Ein korrekt angepasstes Hörgerät verschlechtert das Gehör nicht.
Fazit
Ein Hörgerät wird nicht erst dann sinnvoll, wenn Sie kaum noch etwas hören.
Bereits leichte Hörminderungen können Gespräche anstrengender machen und die Lebensqualität beeinflussen.
Wer regelmäßig nachfragen muss, den Fernseher lauter stellt oder sich in Gruppen zunehmend unsicher fühlt, sollte sein Gehör überprüfen lassen.
Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser können passende Lösungen gefunden werden.
Unser Tipp von Optik Jahn
Viele Menschen warten mehrere Jahre, bevor sie erstmals einen Hörtest durchführen lassen. Aus unserer Erfahrung lohnt sich eine frühzeitige Überprüfung. Selbst wenn keine Hörminderung festgestellt wird, erhalten Sie Gewissheit. Wird eine Veränderung erkannt, können wir gemeinsam besprechen, welche Möglichkeiten für Sie sinnvoll sind und ob eine Hörgeräteversorgung bereits Vorteile bringen würde.